Schweizer Filme neu entdecken
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Schweizer Filme neu entdecken

Datum: 18.06.2026
Dauer: 4:53min

Wie viele Schauplätze erkennst du wieder? Könntest du sagen, wo die dunkle Gasse liegt, die man in «Jack the Ripper» sieht? Wie das legendäre Lokal heisst, wo «Der Freund» im gleichnamigen Film so gerne abhängt? Erkennst du das Shopville wieder und den Escher-Wyss-Platz? Im Abspann des Videos findest du die Liste aller Schauplätze.

Viel Vergnügen auf der Stadtwanderung durch die Filmgeschichte!

Filme aus Zürich - ein visuelles Gedächtnis der Stadt

Zürich ist die Filmhauptstadt der Schweiz, und Zürich wäre nicht Zürich ohne seine Filme. Bereits in der Stummfilmzeit diente die Stadt regelmässig als Filmschauplatz, so namentlich in den Filmen der 1925 von Lazar Wechsler gegründeten Praesens-Film. Auch der älteste noch erhaltene Schweizer Dialektspielfilm, Jä-soo! (unter der Regie des erfolgreichsten Praesens-Regisseurs, Leopold Lindtberg, 1935) spielte in Zürich. In der Folge zeichnete die Firma auch für die wichtigsten Filme im Dienste der Geistigen Landesverteidigung und setzte dabei auf Schaupieler:Innen aus dem Ensemble des Schauspielhauses wie Heinrich Gretler oder Anne Marie-Blanc.

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Die Fünfziger Jahre standen ganz im Zeichen des Dialektfilms. Kurt Frühs Oberstadtgass wurde 1956 ein Grosserfolg: In einem Jahrzehnt, in dem der Anteil der importierten Kinofilme durchwegs über 98 Prozent lag, freute sich das einheimische Publikum sowohl an der vertrauen Altstadtkulisse – gedreht wurde rund um die Zürcher Peterhofstatt – als auch den vertrauten Radiostimmen von Schaagi Streuli oder Margrit Rainer auf der Leinwand zu begegnen. Bäckerei Zürrer (1957) bescherte dem Zürcher Urgestein Emil Hegetschweiler als Bäckermeister die Rolle seines Lebens. In der Figur des Marronibraters Pizzani (Ettore Cella) erwies Früh der italienischen Kolonie in Aussersihl seine Referenz.

Frühs Drehort, das Langstrassenquartier mit seiner kosmopolitischen Einwohnerschaft und den fotogenen Leuchtreklamen, wurde in der Folge zu einer der beliebtesten Locations von Zürcher Filmen: Von Hinter den sieben Gleisen (1959), über Filou (1988), Bingo (1990, mit Ruedi Walter und Mathias Gnädinger) und Strähl (2004) bis zum ersten Schweizer Netflix-Film Early Birds (2023).

Mit dem Neuen Schweizer Film ab den 1960er-Jahren wurde Zürich zu einem Zentrum des autorenorientierten, gesellschaftskritischen Kinos. Fredi Murers Kurzfilm Chicorée portraitierte den Untergrund-Poeten Urban Gwerder, Richard Dindos Dokumentarfilm Dani, Michi, Renato und Max (1987), das Schicksal von vier jugendlichen Opfern der Zürcher Jugendunruhen.

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Im Laufe eines Vierteljahrhunderts bildete sich in Zürich eine vielseitige dokumentarisch geprägte, realitätsnahe Filmkultur heraus. Künstlerische, teils pionierhafte oder engagierte Autorenfilme finden sich darin genauso wie grössere kommerzielle Produktionen. Die wohl wichtigste Produzentin Zürichs, Ruth Waldburger, produzierte beides unter ihrem Dach: zwischen Jean Luc Godard und erfolgreichen Zürcher Komödien wie Ernstfall in Havanna oder einem der ersten Filme mit Brad Pitt (Johnny Suede).

Ab den 60er Jahren machen Frauen wie Isa Hesse-Rabinovitch und Tula Roy in Zürich Experimental- und Dokumentarfilme, während die Spielfilmerinnen noch nach Deutschland gehen müssen (Gertrud Pinkus), um ihre Filme finanzieren zu können. 

In den 90er Jahren wird an der Zürcher Hochschule der Künste endlich auch eine ganze Generation neuer Regisseurinnen ausgebildet wie Andrea Staka (Das Fräulein, Goldener Leopard in Locarno), Sabine Boss, Bettina Oberli (Die Herbstzeitlosen, der zweitgrösste Schweizer Kinoerfolg) oder Esen Isik und viele weiter.

Spätestens seit 2000 ist die Fülle der in Zürich spielenden oder produzierten Filme kaum mehr überblickbar. Nachfolgend eine Auswahl von Titeln, die Themen und Schauplätze sind ebenso vielfältig:

Der grösste Zürcher Kinoschlager in den sechs letzten Jahrzehnten überhaupt ist Rolf Lyssys Die Schweizermacher (1978, mit Walo Lüönd und Emil). Die kritische Einbürgerungskomödie war mit seinen Schauplätzen (Schulhaus Limmatstrasse, Sex-Shop am Limmatquai, Blumenladen an der Theaterstrasse nebst vielen anderen) konkret an Zürcher Örtlichkeiten verankert.

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Mit einem der ersten queeren Filme Zürichs De Fögi isch e Souhung von Marcel Gisler und Platzspitzbaby von Pierre Monnard thematisieren gleich zwei Filme das Zürcher Drogenmilieu. Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse spielt vor allem im jüdisch-orthodoxen Quartier Wiedikon. Schwule Geschichte wurde in Der Kreis und das sich reformierende Zürich in Zwingli von Stefan Haupt verfilmt, ein Regisseur, der in Zürich so verwurzelt ist, dass er sein Zürcher Tagebuch verfilmt. Die in der Region Zürich aufgewachsene Filmemacherin Petra Volpe feierte ihren grössten Erfolg mit Die göttliche Ordnung (2017), der die Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz thematisierte. Obwohl der Film in einem Appenzeller Dorf spielt, zeigte er auch einen längeren Demonstrationszug von Frauen auf der Münsterbrücke. Thomas Imbachs Day Is Done (2011) ist eine originelle Langzeitbeobachtung über den Abbruch des Güterbahnhofs. Dokumentarfilme von Sabine Gisiger dokumentieren das Warenhaus Jelmoli aber auch die Möchtegern-Terroristen von Altstetten in DO IT. Moskau Einfach! von Micha Lewinsky thematisiert die Fichenaffäre. Stina Werenfels in Nachbeben die Befindlichkeiten an der Goldküste.

Mit HR Giger hat ein kleines Stück Seebach nach Hollywood gefunden: Der berühmte Szenen- und Kostümbildner prägte mit seinem Stil das Science-Fiction-Genre in Filmen wie Alien massgelblich. Und auch den berühmten Seebacher Schauspieler Bruno Ganz zog es in die Welt hinaus. Er drehte in Europa und den USA.

Die Zürcher Filmszene im Jahr 2026 ist eine blühende Wiese, aber sie braucht Pflege. Insbesondere der Spielfilm entstand und entsteht meist unter strukturell schwierigen Bedingungen: Mit begrenzten Ressourcen und hohem persönlichem Risiko.

Doch abgesehen von kommerziellen oder künstlerischen Erfolgen, Filme sind mehr: Sie sind ein visuelles Gedächtnis der Stadtgeschichte. Sie erzählen, was die Leute beschäftigt, wie sie miteinander umgehen, welche Kleider sie tragen, wie sie ihre Freizeit verbringen/verbrachten. In einer zunehmend globalisierten Welt schaffen Zürcher Filme so auch ein Gefühl der Verbundenheit – als kleines Gegengewicht zum marktbeherrschenden importierten Film.

Felix Aeppli - Juni 2026

Dieser Text entstand im Auftrag von ZÜRICH FÜR DEN FILM.

ZÜRCHER FILMTALK

Das frühe Leben des Zürcher Films

Im Geiste öffnet der Zürcher Filmtalk die alten Filmdosen der Stadt und blickt auf die Anfänge des Zürcher Films. Die Filmhistoriker Felix Aeppli und Benedikt Eppenberger erzählen von ihren liebsten Entdeckungen aus der Zürcher Filmgeschichte.

Welche Bilder sind geblieben und welche Geschichten tragen sie in sich? Eine Reise in die frühen Tage des Films in Zürich, zu jenen, die vor uns mit der Kamera durch die Stadt zogen. Vielleicht melden sich die Geister der Vergangenheit und schenken uns einen Moment der Inspiration.

Gäste:

- Felix Aeppli, Dr. phil., Historiker, Filmexperte und Stonologe

- Benedikt Eppenberger, Filmhistoriker, Redaktor beim SRF und Autor von Büchern über Erwin C. Dietrich und zum 100-Jahr-Jubiläum der Praesens Film AG, u. a. «Heidi, Hellebarden & Hollywood» (2024)

Gesprächsleitung: Carmen Stadler

Züri Filmfakten

Drei Featurettes über Filme, die in der Stadt Zürich gedreht worden sind.

5 Filmfakten über Züri brännt

Weisst du, was Bob Marley mit den Opernhauskrawallen zu tun hatte? Was der Videoladen ist? Und dass der Film «Züri brännt», 40'000 Zuschauerinnen und Zuschauer ins Pornokino lockte? Godzilla, die Königin der Nacht, ein verkannter Songtexter und noch viel mehr entdeckst du in 5 FILMFAKTEN ÜBER ZÜRI BRÄNNT - dem Kultfilm der 1980er, der den Befreiungsschlag einer ganzen Generation zeigt!

5 Filmfakten über Strähl

In «Strähl» entführt uns Regisseur Manuel Flurin Hendry in die berüchtigste Strasse der Schweiz – mit allem, was dazugehört. Wir beleuchten, wie ein Trailer den Film rettete, welche Probleme ein nicht abgesperrtes Set mit sich brachte und wie man sich einen Piranha besorgt.

5 Filmfakten über Der 10. Mai

Mit “Der 10. Mai” rührte Regisseur Franz Schnyder 1956 am zentralen Mythos der Aktivdienstgeneration: an der Erzählung «vom einig Schweizer Volk», das im 2. Weltkrieg Hitlers Eroberungsplänen unerschütterlich getrotzt hatte. Wir beleuchten, was „Der 10. Mai“ mit Fritz Langs „Metropolis“ verbindet, weshalb es drei unterschiedliche Versionen des Films gibt und wie Franz Schnyder für seinen, laut eigener Aussage “wichtigsten Film”, Ruf und Karriere riskiert...

Aus dem Schweizerischen Filmarchiv

Folgend eine Auswahl von Zürcher Gebrauchsfilmen des 20. Jahrhunderts, die in den letzten Jahren von der Cinémathèque suisse erschlossen und digitalisiert wurden.
Nützliche Filme: Zürcher Stadt-, Land- Filmgeschichten ist Teil eines grossen Digitalisierungs- und Vermittlungsprojekts der Cinémathèque suisse und online zugänglich auf der Webseite Repérages – Zeitschrift der Cinémathèque suisse. Mehr dazu auch in der Virtuellen Ausstellung der Cinémathèque suisse: Zürich – Stadt des Kapitals.

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Zürich/Uetliberg

1905/1923-1927, Collection Cinémathèque Suisse

Obwohl sie kurz sind, haben diese beiden Filme über die Stadt Zürich eine grosse historische Bedeutung. Der erste – wegen seiner Seltenheit besonders interessante – zeigt Szenen des städtischen Lebens, aufgenommen mitten auf der Strasse mit zwei fixen Kameras (1905). Der jüngere Film aus den 1920er-Jahren, begleitet die Zürcherinnen und Zürcher auf ihrer Bahnfahrt auf den Uetliberg, den beliebten Ausflugsort der Städter mit dem Hotel- und Restaurantbetrieb Uto-Kulm, dem Aussichtsturm und dem wunderschönen Blick auf die Stadt.

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Die Stadt Zürich. 1914

Weltkinematograph / Welt-Film, 1914, Collection Cinémathèque Suisse

Der 1914 in Freiburg im Breisgau produzierte fünfminütige Film über Zürich (der Titel ist nicht überliefert, vermutlich lautete er Bilder von Zürich) gibt Einblicke in das städtische Leben kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs und zeigt zahlreiche in der jüngsten Vergangenheit errichtete Bauwerke.

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Die Zürcher Frühjahrs-Festtage April 1914

Weltkinematograph / Welt-Film, 1914, Collection iconographique Cinémathèque Suisse

Die Zürcher Frühjahrs-Festtage April 1914 wurde von der deutschen Firma Welt‑Kinematograph (Freiburg i. Br.) vermutlich als Wochenschaubeitrag produziert. Er zeigt Feierlichkeiten rund um das Zürcher Sechseläuten sowie die Einweihung des neuen Universitätshauptgebäudes am 20. April 1914, wenige Monate vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

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Das Genossenschaftliche Zürich

Praesens-Film, 1928, Collection Cinémathèque Suisse

Der Film "Das genossenschaftliche Zürich" schildert die Tätigkeiten von 19 Genossenschaften. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Baugenossenschaften, die das Stadtbild in den 1920er Jahren markant mitgeprägt haben.

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Zürich. Tempo, tempo!... Zeit ist Geld

Office Cinematographique Lausanne, ca. 1929, Collection Cinémathèque Suisse

Zürich. Tempo, tempo!... Zeit ist Geld ist eine in Lausanne produzierte Filmwochenschau aus den 1920er Jahren, die mit einem Zeitraffer Strassenaufnahmen Zürichs ziegt. Menschen, Strassenbahnen, Kutschen und Autos eilen über das Bellevue und den Paradeplatz.

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Die neue Wohnung

Hans Richter, 1932, Collection Cinémathèque Suisse

Anlässlich der ersten Schweizerischen Wohnungsausstellung Woba in Basel 1930 entstand der Film Die neue Wohnung des deutschen Künstlers und Avantgardisten Hans Richter. Aus Zürich sind die Rotach-Häuser an der Limmat im Kreis 5 zu sehen, die vom Architekten Max Ernst Haefeli gebaut wurden. Der Film entstand im Auftrag des Schweizerischen Werkbunds (SWB).

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Zürcher Impressionen

Hans Trommer, Condor Films, 1961, Cinémathèque suisse

Zürcher Impressionen entstand anlässlich des 75-jährigen Jubiläums des Verkehrsvereins Zürich und wurde von der Condor-Film AG unter Leitung des Produzenten Heinrich Fueter realisiert. Mit dem Regisseur Hans Trommer, den Drehbuchautoren Richard Schweizer und Kurt Guggenheim sowie Otto Ritter an der Kamera waren prominente Vertreter des alten Schweizer Films beteiligt.

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...via Zürich

Alexander J. Seiler, June Kovach, Rob Gnant, seiler + gnant, 1967, Cinémathèque suisse

…via Zürich (1967) entstand wenige Jahre später unter der Regie von Alexander J. Seiler, Rob Gnant und June Kovach, die seit den frühen 1960er Jahren – insbesondere mit dem kritischen Dokumentarfilm Siamo italiani (1964) – die Entwicklung einer neuen Ästhetik und politischen Ausrichtung des Schweizer Films prägten.

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Zürich Richtung Zukunft

Hans Stürm, Gody Sutter, Turnus Film, 1969, Collection Cinémathèque Suisse

Hans Stürm und Gody Suter realisierten den Film Zürich Richtung Zukunft (1969) im Auftrag der Behördendelegation für den Regionalverkehr Zürich. Sowohl der Film als auch die gleichnamige Ausstellung sollten die Bevölkerung davon überzeugen, dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im Grossraum Zürich zuzustimmen.

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Arbeiterehe

Robert Boner, 1973, Collection Cinémathèque Suisse

Bei dem 1973 von Robert Boner realisierten Kurzfilm Arbeiterehe handelt es sich um einen fiktionalen Film, der vom Alltag eines italienischen Arbeiterpaars in der Schweiz erzählt. Der Film entstand im Umfeld der Filmcooperative Zürich.

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Beton-Fluss

Hans-Ulrich Schlumpf, 1974, Collection Cinémathèque Suisse

Mit Beton-Fluss schuf Hans-Ulrich Schlumpf einen der bekanntesten Filme der städtischen Protestbewegungen jener Jahre. Beton-Fluss prangert die zerstörerischen Folgen der verkehrsorientierten Stadtplanung an und wurde zu einem wichtigen Bezugspunkt für ähnlich ausgerichtete Bürgerbewegungen.

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